Eintrag vom 04.03.2004 / 09:09 DLZI 3 & ein HinweisDer Künstler hat keine Aufgabe. Wohl aber einen Charakter. Unabhängig von - auch seiner eigenen – Moral, von seinem Selbstbild. Er ist nicht seinem Material „verp f l i c h tet“ - eben weil keine ethischen Sachverhalte von außen aufgegeben sind -, aber doch ganz von ihm abgezogen – also von den Gegenständen der Bearbeitung... - eine Art Re-Aktor mithin.
Er (Sie) kann nun Glück haben, und das Publikum folgt den ersten Schritten. Weshalb es dann meist jeden weiteren mitmachen wird. Das war der Fall etwa bei Beckett, auch bei Grass, auch bei Picasso. Nicht jeder sehr gute Künstler bleibt einsam. Die Weichen für gutes Selbst-Managing sind mitunter früh gestellt, und dann donnern auch proppevolle Züge darüber.
Das ist aber nicht immer so, und dennoch muß den Schienen nachgegangen werden... auch wenn da auf absehbare Zeit kein Zug folgt oder vielleicht gelegentlich mal einer über ein Geleiskreuz fährt. Es ist immer falsch, sich an den Zügen und ihren Direktiven zu orientieren, und zwar auch dann, wenn die anderen Stränge, denen man folgte bislang, in völlig unabsehbares, vielleicht auch widerliches Gelände zu führen scheinen. Kein Künstler bricht das ab, nur weil ein Sumpf droht. Oder - er ist eben keiner.
Offenbar hat mein Romanentwurf bei Luchterhand die emotionalen Wellen hochschlagen lassen, so daß ich nun dort als Unhold gelte. Man sei während der Programmkonferenz wütend auf den Gang gerannt; ich stell mir schlagende Türen vor und allerlei herziges Gebrüll... Dabei unternehme ich gegenwärtig nichts anderes, als den Leuten zu offenbaren, daß die Realität, die sie immer beschwören, U n t e r g r ü n d e hat. Wäre es nicht so bitter, man könnte schallend lachen: Im Wolpertinger- und Anderswelt-Umkreis warf man mir meine Phantastik vor, beim Wellenbuch und nun auch bei DLZI nehme ich’s offenbar mit der Realität z u genau. „Kannst du nicht mal Kompromisse machen?“ Auf diese unkünstlerischste aller Fragen gibt es nur e i n e Antwort.
Essenz: Die Anderswelt braucht dringend einen Mäzen und die Realität sowieso.
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(zu Achim Freyers Verdi-Fantasie an der Deutschen Oper siehe www.opernnetz.de)
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