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Eintrag vom 05.06.2004 / 09:58
Akademie-Kunst

Eine der gr??ten Schwierigkeiten, vor denen k?nstlerische Innovationen stehen, findet sich in dem Umstand, da? sie entweder sehr fr?h ? gleichsam sofort ? oder eben, wenn ?berhaupt, dann nur sehr z?h akzeptiert werden und die Achtung bekommen, die ihnen eigentlich geb?hrt. F?r eine sehr fr?he Akzeptanz stehen Dichter wie Beckett, in gewissem Grad auch Grass, dessen Ruhm fast ganz von der Blechtrommel herr?hrt; ja seine sp?teren Werke haben sich, v?llig unerachtet ihrer oftmals ebenb?rtigen Qualitit?t, von diesem Fr?hruhm gen?hrt. Es ist gleichsam, als k?nnte der einmal erteilte Ruhm nicht mehr zur?ckgenommen werden, auch wenn nicht wenige Anstrengungen daf?r unternommen worden sind ? man denke gerade in Grassens Fall an die ungeheuren Verrisse, die viele seiner sp?teren B?cher sich eingehandelt haben... ob zu Recht oder Unrecht spielt da gar keine Rolle. Sein h?chst moderates, politisch stets ?im Rahmen? bleibendes Engagement hat sicher einiges dazu beigetragen. Es ist nicht sicher, wie das ausgegangen w?re, h?tte er sich einem ungesitteten B?chner gleich geriert, in dessen Namen heute die gesittetsten Juroren allergesittetste Literaturen preisen.
Die Schwierigkeit f?r radikale Literatur besteht nun darin, da? sie einerseits derart Gesittetes verachtet, ja verachten m u ?, zugleich aber doch den wenigstens ?konomischen Ruhm braucht. Wer nicht wie Beckett von allem Anfang an zum main-player wurde, ist st?ndig zwischen Korruption und ? aus Notwehr ? hochfahrendem Querulantentum aufgespannt, das diese Korruption verhindern soll und auch tats?chlich verhindert, allerdings um den Preis nicht nur gesellschaftlicher (?konomischer), sondern vor allem privater Schuld und Verschuldung
Dagegen steht eine Literatur, die zur besten geh?rt und dennoch m?glichst wenig bewegen will. Sie ist im tiefsten human und scheut das Radikale; allerdings das Leben auch. Sie steht in der Ecke und beobachtet und notiert und findet die stilvollsten S?tze f?r ihre Beobachterei. Ihre Grammatik begehrt niemals auf, die Syntax ist immer im feinsten ?on ne fait pas? widerstandsfrei aufnehmbar, sozusagen ?vornehm? und bereits zu Lebzeiten akademisch. Manche, wie Grass, brachten es niemals dahin; nicht einmal ihr Ruhm hat ihnen geholfen. Selbst Beckett schaffte das nie, und es wird auch ? was immer man gegen ihn vorbringen mag ? Rainald Goetz nicht gelingen. Denn in ihnen wirkt etwas provozierend-unruhig D?blinsches, das sich mit Honorarprofessuren nicht vertr?gt.

Akademie-Kunst sch?tzt die Kinder, die andere, die Kunst, verdirbt sie. Ich kann die Gesellschaft schon verstehen, wenn sie den Pop favorisiert, der einen solchen inneren Widerspruch nicht kennt und einen vor der Besch?ftigung mit sowas bewahrt.


www.albannikolaiherbst.de




 

 
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